Gedichte
Titel Wann? Dezemberfarben 12/95 Weihnachtsglanz 01/96 Der Braunellerich 04/99 Die Schachbrettblume 04/99 Auf dem Land 04/99 Der alte Bahnhof 04/99 Das Fernsehprogramm 05/99 Vernetzung 1999 01/00 ... zurück zur Heimseite
DezemberfarbenCopyright 1995 Wilhelm Meyerhoff
Grau, der Himmel,
diffus, ein trübes Nichts.Der Waldrand ist ein schwarzes Band.
Die Felder liegen schmutzig
mit Farben, wie verbrannt.Nur Kiefern schiefergrün.
Tannen, verloren im Land.Schatten wechseln langsam,
die Farben sind gebannt.Natur verharrt jetzt statisch,
wie Bilder an der Wand.Bewegungen sind fremd,
nichts ist mehr bekannt.Der Blick geht nicht mehr weit,
es herrscht die dunkle Zeit.
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Copyright 1996 Wilhelm Meyerhoff
Gold schimmert Kerzenlicht im Dunkel,
doppelt viel ist drinn´ zu seh´n.
Das Fenster, schwarz, glänzt wie ein Spiegel,
nichts sieht man draußen geh´n.Nur Licht von Sternen funkelt rein,
der Jakobsstab, Luft so rein.
Orion. Sternensilber.Kugeln gold und rot
hängen an Zweigen, wie im Lot.Stille tief, nur Kerzen flackern leise,
spiegeln sich auf geheimnisvolle Weise.Zu kurz die Zeit, der Glanz vergeht,
nur wenig jetzt das Licht verrät.
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Copyright 1999 Wilhelm Meyerhoff
Sie kommt daher, ganz rank und schlank,
er folgt ihr wie ein kleiner Schrank.Die Brust heraus voll Manneskraft,
steht dieses Männlein voll im Saft.Der Hals ganz dick und kräftig grau,
denkt er gegenüber seiner Frau:
„Bald ist´s soweit, ich bin ja schlau!“Hochzeitsmäßig flügelschlagend
hofft er: „So muß ich nicht fragen.
Die Dame sieht, wie schön ich bin,
dann kommt Gefühl auch ihr in´n Sinn.“Doch noch ist´s kalt fürs Liebesspiel,
drum nützt das Flattern auch nicht viel.Das Wetter muß erst wärmer werden,
sonst kommt kein Nachwuchs auf die Erden.Auch Finken, schön wie aus dem Buch,
sind heut´ schon bei dem Erstversuch.Doch alle stört die Temperatur,
die heute herrscht in Wald und Flur.Auch unser brauner Nellerich
denkt - naß bis auf die Haut - bei sich:
„Es hat keinen Sinn, sie will heut´ nich´.“Drum flattert weiter er mit Federn,
reißt sich zusammen ohne zetern,flitzt weiter stramm hinter ihr her
und hat´s, wie immer, ziemlich schwer.
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Copyright 1999 Wilhelm Meyerhoff
Steil strebend steht hier diese Blume
in der kargen Erdenkrume.Am Ende ihres Stieles hängt
nach unten, wenig eingezwängt,die Blüte wie ´ne Lampe runter.
Andere Blumen sind zwar bunter,
doch früh im Jahr macht diese munter.Die Hummeln krabbeln in die Lampe rein,
es wird was Süßes drinnen sein.Ein kleines Schachbrett ziert die Blüte,
die aussieht, wie ´ne Hängetüte.Dunkelviolett und rosa,
kann man schreiben viel an Prosa.Hier soll jedoch Gedichtform helfen,
zu beschreiben, daß auch Elfendiese Blümchen gut ergänzen,
wenn schwirrend sie mit Flügeln glänzen.Im Zeichentrick sollte man sie nutzen,
um lieblich Szenen rauszuputzen.Zuschauer werden „Niedlich!“ denken,
Kopien der Filme Kindern schenken.Und alles wegen der Blume nur,
die einfach lieblich sein will – aber pur.
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Copyright 1999 Wilhelm Meyerhoff
Unten braun, die Mitte grün,
oben blau, ist das nicht schön?Des Landmanns Farben sind genannt,
so findet er sie auf dem Land.Braun ist die Erde, grün die Pflanz´,
im Blau auch mal die Wolke tanzt.Das Grün wird gelb oft von dem Raps,
der Bauer trinkt dann gern ´nen Schnaps.Auch wenn die Ernte gut im Jahr,
ist das Getränk dann schon mal klar.So gibt es Korn nicht nur im Feld,
auch Flüssiges draus freut die Welt.Doch wichtiger ist frisches Brot,
das man erzeugt aus Kornes Schrot.Verspeist man dies mit rotem Schinken,
kann man Korn dann wieder trinken.Land und Leben rustikal,
hat man dort die große Wahl.Frische Eier, Milch vom Bauern,
die in der Stadt sind zu bedauern.Drum, Leute, fahrt hinaus ins Feld,
dort seht ihr eine andere Welt.Ihr werdet schnuppern und auch schmecken
und vieles Neue dort entdecken.
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Copyright 1999 Wilhelm Meyerhoff
Hummeln, Bienen und auch Meisen
schwirren dort auf alten Gleisen.Zwischen Schwellen stehen Disteln,
auf den Bäumen wachsen Misteln.Junge Birken sprengen Steine,
am Bahnsteig nur noch Hasenbeine.Die Bahnhofslampen rosten braun,
Vogelnest im Schuppenzaun.Die Abfahrtstafel zeigt Verfall,
alles rottet groß an Zahl.Bunte Gläser von Signalen
sind schon lang vom Mast gefallen.Ihre Scherben tief im Gras
glänzen nicht mehr, nur noch naß.Die Pfiffe früher Durchgangszüge
ersetzt durch stille Vogelflüge.In der Ferne Baumaschinen,
die nicht dem Wiederaufbau dienen.Sie nahen, um jetzt abzureißen
die Bahnhofsbauten und an Gleisen.Verschwinden wird ein Stück Geschichte,
da helfen auch nicht solch Gedichte.Der Zahn der Zeit, der nagt auch hier
hinter dieser Bahnhofstür.Erst Jahre später wird man fragen:
„Da war doch was, wer kann´s noch sagen?“Vielleicht noch in den alten Akten
findet man sporadisch Fakten.Verblaßt wird diese Welt dann sein,
die einst wichtig war und fein.
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Copyright 1999 Wilhelm Meyerhoff
Im Fernsehen läuft nur Obermüll
und niemals das, was ich gern will.Krankenhäuser, Kommissare,
dauernd Tote auf ´ner Bahre,Fernsehbilder, schrecklich grauend,
so was soll ich mir anschauen?`nen eignen Sender gründ´ ich mir
und spare viel Drehbuchpapier,denn Blödsinn film ich locker so
und spielt die Szene sonst auch wo.Werbepausen wär´n passé,
keiner bräuchte zappen, nee.Die Qualität der Bilder selber
wären gut wie Pfirsich Melba.Alle starrten wie gebannt
in die Glotze, quer durchs Land,denn das Programm wär´ oskarreif,
vor Freude würden alle steif.So gut wär dieses Spaßprogramm,
es machte jeden Lacher an.Doch leider gibt es dreißig Sender
und überall brauch ich meist Ständer,um die Augen aufzulassen,
ob dieser vielen Bildermassen.Doch werd´ ich schlauer jetzt und hier
und lese lieber vom Papier,was wirklich von Interesse ist,
ob Fachbuch, Zeitung oder Mist.Die Freizeit forme ich allein,
unbeeinflußt werd´ ich sein.Kein Fernsehn, Rundfunk oder Krach,
die Hobbys halten mich dann wach.Natürlich auch die liebe Frau,
doch das ist dann ´ne and´re Schau.
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Copyright 2000 Wilhelm Meyerhoff
Gelangweilt sitz ich vor meim ´puter
und Com nicht hin zu meinem Router.Die Platte hat sich fragmentiert,
das ist im letzten Jahr passiert.Jetzt räumt das BS wieder auf,
dann passen Bytes auch wieder drauf.Solange sitz ich hier und warte
und les´ derweil ´ne Corel-Schwarte.Wie funktioniert DRAW8 denn nun?
Was muß ich hier und da denn tun?Die Platte noch defragmentiert,
was jetzt im neuen Jahr passiert.Ich würde gerne Netzwerk basteln,
doch die Platte ist am Haspeln.Ich schaue fasziniert zum Schirm
und bin inzwischen schon ganz firm.Dateisystem versteh´ ich gut,
drum weiß ich jetzt, was sich dort tut.Da! Der letzte Cluster ist sortiert,
ich springe hoch, elekrisiert!In den Keller schnell hinab,
dort liegt er schon, der neue Hub.Endlich kann ich mich vernetzen,
jeden Raum mit Netz besetzen.Gartenlaube, Kloo, Terrasse
überall kommt Netz hin, Klasse.Zukunftssicher wird das Haus,
überwacht mit Netz und Maus.Sonne! Lieg` ich auf dem Rasen,
gibt es selbst dort Email-Phasen.Mitten drin im Grasesgrün
wird der Laptop schnellstens glühn.Bits und Bytes und Elektronen,
auch im Garten später wohnen.Der Elektrik ist´s egal,
ob opulent oder frugal.Drum nutzt die Technik sie, wo´s geht,
ohne Hemmung, früh bis spät.Schaun wir mal, ob Netzesmaschen
Löcher hab´n, wie Hosentaschen.Anfangs wird es wohl so sein,
doch später wird man sagen: „Nein!“Im kleinsten Dorf werden Daten schwirren,
ohne, daß gleich Kabel sirren.Informationen ganz normal,
gibt´s im Flachland, Berg und Tal.Standardmäßig Infofluß,
ich freu´ mich´ drauf, das wird ein Muß.
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Bremen, im November 2005